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Energieberatung Mittelstand für KMU – enorme Potentiale noch ungenutzt ?

Laut Statistischem Bundesamt gab es in Deutschland 2013 circa 2,2 Millionen Unternehmen die in der Größenklassifizierung für Unternehmen in die Klassifizierung KMU (per EU-Definition: weniger als 250 Mitarbeiter (MA); weniger als 50 Mio € Umsatz bzw. 43 Mio € Bilanzsumme) fallen (Abb1). Mit 99,3% aller Unternehmen in Deutschland eine riesige Gruppe.
Die Gruppe der Kleinstunternehmen umfasst 1.800.000 Unternehmen, die der kleinen Unternehmen 300.000 und die der mittleren Unternehmen immerhin noch 100.00 in Deutschland.

Merkmale Unternehmen 13

Abbildung 1 : Merkmale von Unternehmen ; Quelle: Statistisches Bundesamt „Der deutsche Mittelstand im Zeichen der Globalisierung“ S.109

Am 6.1.17 wurde der Jahresbericht des BAFA zu den Antragszahlen im Förderprogramm „Energieberatung im Mittelstand“ veröffentlicht. In 2016 wurden demnach 2.266 Energie-beratungen beantragt. Im Vergleich dazu wurden in 2015 fast genau so viele Energieberatungen (2.238) beantragt. Jetzt stellen sich aus unserer Sicht zwei Fragen:

Frage 1:

Warum wurden in 2015 und 2016 nur ca. 2.200 Anträge gestellt? In 2014 waren es bei der KfW-Bank noch weit über 6000 Anträge.

Frage 2:

Warum haben in 3 Jahren (2014-2016) mit rund 10.400 von 2.200.000  Unternehmen, also nur 0,47%, eine Energieberatung beantragt?
Die Fragen muss man erst mal wirken lassen. 0,47%… mehr nicht ? Bei all der Diskussion um Erreichung von Klimaschutzzielen, gelebter Energieeffizienz… In den 2,2 Mio. Unternehmen arbeiten immerhin 15,9 Mio. Menschen.

 

Warum erreicht so ein wichtiges Thema nur so wenig Unternehmen?

Das BMWi hat mit seiner Kampagne “Deutschland macht’s effizient” sehr wohl gezeigt, dass man seitens der Regierung bereit ist, in die Öffentlichkeitsarbeit und in die Fokusausrichtung Energieeffizienz zu investieren. Leider wurde hier primär der private Endverbraucher  adressiert. Wäre es dabei nicht zielführender gewesen, speziell die 2,2 Millionen mittelständischen Unternehmen zu den Fördermöglichkeiten von Energieeffizienz und Energieberatung im Mittelstand zu informieren?

Ist der Anteil der Energiekosten gemessen am Umsatz nicht hoch genug? Drückt der Schuh also gar nicht so sehr? Sind die Erfolgsaussichten zu gering? Die Förderung zu niedrig? Eher nicht. Immerhin wurden sowohl unter der KfW als auch unter de BAFA immerhin 80% der Kosten der Energieberatung zurückerstattet. Also was sind die Hemmnisse der Energiewende speziell wenn es um die Durchführung von Energieberatungen geht?

Was war  2014 anders als heute? Das System war anders aufgebaut. Ein leichter schneller Einstig über eine Initialberatung (Kosten circa 2.000-3.000€ vor Förderung) in einem vereinfachten, definierten Ergebnisformat und mit einem gewissen Zeitdruck, mussten doch die Ergebnisse der Beratung innerhalb von 2 (max. 3) Monaten vorgelegt werden. Gab es Anlass zu weiterführenden Analysen konnte mit der geförderten Detailberatung noch Beratungsarbeit nachgelegt werden.

UND es gab mit der Förderung von LED-Beleuchtung auch eine Energieeffizienzmaßnahme die selbsterklärend, überall notwendig und direkt nachvollziehbar war, ob nun im neuen Licht oder direkt als Positiv-Effekt auf der Stromrechnung nach erfolgter Umsetzung. Waren die Energieberatungsergebnisse manchmal oberflächlich – ja, aber es gab 2014 auch mehr als drei mal so viele Unternehmen die in irgendeiner Form motiviert waren sich energetisch zu verbessern. Das BAFA hat das Programm Energieberatung Mittelstand in 2015 glücklicher Weise übernommen und sich dann sehr stark am Energieaudit DIN EN 16247-1 orientiert. Fachlich wurden die Beratungsberichte deutlich besser, aber dafür wurde es praktisch notwendig, die Beratung im Allgemeinen stark zu intensivieren wozu mehr Beratungstage pro Energieberatung nötig wurden. Wie umfangreich zeigt die folgende Grafik (Abb2).

 

Statistik BAFA

Abbildung 2: Realkosten der BAFA Energieberatung Mittelstand (EBM); Grafik wattline; Quelle: BAFA, EBM Jahresstatistik 2016 vom 6.1.16

Dabei wird das Ergebnis durch die hohe Anzahl an geförderten Energieberatungen in Baden-Württemberg (BW) mit einem Durchschnittspreis unter dem Bundesdurchschnitt noch positiver dargestellt,  da die durchschnittlichen Kosten pro Beratung im Bundesmittel sonst ohne BW bei 7.116€ liegen würden. Hier erklärt sich das Problem für die 1,8 Millionen Kleinstunternehmen mit einem Jahresumsatz unter 2 Millionen € und einer Energieanteiligkeit von angenommenen gemittelten 4% vom Umsatz – bei Gesamtenergiekosten von ca. 6.700€ pro Monat ist es sehr schwierig zu argumentieren 6.600€-9.000€ in eine Energieberatung zu investieren, selbst wenn die Förderung 80% ausmacht, der Betrag muss erst einmal verauslagt werden.

Frage 3:

Wie könnte also ein Lösungsansatz aussehen?

Ist der Weg zurück der richtige Weg? Never change a (successful) running system? Im Falle der Förderung von hocheffizienter LED-Beleuchtungsumrüstung ein klares – Jein. Beleuchtungsförderung auf jeden Fall JA – aber nicht so wie 2014/2015. Der Effekt war, dass das BAFA von Pauschalanträgen zur Beleuchtungsförderung, sicher auch vor dem Hintergrund des Auslaufens der Förderung, überflutet wurde und darauf hin das Fraunhofer Institut mit einer Studie zur Beleuchtungsförderung beauftragt hatte . In der Studie werden mögliche Szenarien erörtert aber eben auch ganz klar formuliert, die Förderung von LED NICHT einzustellen da diese, Zitat: „ … die verschiedenen Handlungsszenarien (vgl. Kapitel 4) zeigen deutlich den positiven Einfluss der Förderung von LED-Beleuchtung auf die Programmwirkung…“  und Zitat: „…Auf Grund dieser Wirkungsmechanismen ist auch weiterhin eine Förderung sinnvoll …“  Stand heute ist die Förderung von LED-Umrüstung durch das BAFA komplett eingestellt ( Die 5% Förderung über die KFW sind zu vernachlässigen.)

Wattline hat sich dazu ausführlich in der „Stellungnahme zum “Grünbuch EnergieEffizienz” des BMWi“ geäußert, Zitat: „…Wir empfehlen die Förderung von LED-Beleuchtung, unter Verwendung der Hinweise des Fraunhofer ISI, wieder in den Fördermittelkatalog aufzunehmen. Somit könnte ein mögliches Szenario entstehen:

+ Mindestantragssumme 30.000 € in Kombination mit einer zweiten sinnvollen     Querschnittstechnologie von mindestens 5.000 €

+ Nachweis über Energieeinsparkonzept

+ Förderbar sind nur LED-Komplettleuchten (no re-fit) mit Tageslichtsteuerung und Anwesenheitssensorik (Smart LED) für maximale  Energieeffizienz                                                    

+Fördersatz von 20 % Zuschuss für alle Unternehmensgrößen
So können gerade, eine immer noch weit verbreitete, ineffiziente Hallen- und Außenbeleuchtung sinnvoll zur Umrüstung angereizt werden…“  und viele Millionen eingesparte Kilowattstunden dazu beitragen, die Klimapolitischen Ziele der Bundesregierung zu erreichen.

Bei der Energieberatung im Mittelstand ist unser Ansatz ebenfalls eine Mischung aus Altbewährtem und Neuem. Grundsätzlich ist die Clusterung der Kunden in von Mitarbeitern und Umsatz abhängigen Größen zu hinterfragen, geht es doch im Falle der energetischen Betrachtung um die Energieintensität und den Anteil der Energiekosten am Umsatz. Je höher die Intensität und der Anteil desto notwendiger ist hier eine Energieberatung und dann auch eine konsequente Umsetzung von Effizienzmaßnahmen.

Es sollte auf jeden Fall an der Umfänglichkeit der EBM gearbeitet werden, um die Inhalte zu verschlanken und die Gesamtkosten wieder in Richtung der Initialberatung zurückzubringen. Das alte System aus Initialberatung als leichten Einstieg und die (zu überarbeitende) Form der Detailberatung schafften es zu mindestens deutlich mehr Firmen zu bewegen, sich mit ihrer IST-Situation zu beschäftigen und auch das „verbleibende Potential“ ist enorm.
Zwang ist immer eine schwierige Motivation. Ein alternativer Weg könnte die Mitarbeit der Unternehmen an einem Energie-Kataster der KMUs in Deutschland sein. Alle zwei Jahre können KMUs dazu bspw. ein Energetisches Kurzaudit erstellen lassen und dieses an das BAFA übermitteln. Als Positiveffekt könnte dieser Nachweis mit einer möglichen CO2-Steuer-Entlastung verknüpft werden. Eine neue Steuer ? Nein, eine Umverteilung der Belastung. Die CO2-Steuer würde Teile der EEG-Umlage ( von deren Entlastungsmöglichkeiten kleine und mittlere Unternehmen nicht profitieren können) ersetzen  und versetzt so, gerade diese Unternehmen, in die Lage sich durch nachweisliche gelebte Energieeffizienz von dieser CO2 Steuer teilweise zu entlasten. Letztendlich geht es um die Klimaschutzziele und CO2-Reduktion und es sollten Wege gefunden werden, Unternehmen die helfen diese Ziele zu erreichen auch zu privilegieren.
Freiwillig bleibt die Option der (erneuerten) geförderten Energieberatung Mittelstand. Hat man neben der Mitarbeiterzahl und dem Umsatz auch Informationen zur Energieintensität aller KMUs im Kataster, können Förderprogramme und Ansätze zur gezielten Einsparung von Energie und CO2 deutlich besser abgestimmt werden.

Fazit:
+ BAFA Energieberatung im Mittelstand ist aktuell vielfach zu umfangreich
+ es müssen mehr wieder Unternehmen motiviert werden Energieberatungen durchführen zu lassen
+ LED-Förderung wieder einführen
+ Lösungsansätze diskutieren: Energie-Kataster der KMUs ? CO2 Steuer und -entlastung

Bernd Hesse / wattline GmbH / 14.1.2017

 


Ein Kommentar

  1. Uwe Geisler
    19. Oktober 2017 at 7:14

    Hallo Herr Hesse
    Es liegt auch an den Menschen (Sachbearbeiter) bei dem Bafa.
    Das stellen wir auch bei anderen neuen Förderprogramme immer wieder fest.
    Keine geschultes Personal, selbst davon zu wenig. Programme werden anderen Referate kurzfristig übergeben.
    Manieren nach Gutsherrenmentalität > für alte Anträgen schon die neuen Richtlinien verwenden, obwohl die alten Richtlinien zu verwenden sind. Maßregelnde Anrufe bei Kunden der Energieberater, obwohl die Energieberater als Antragsteller Ansprechpartner sind.
    Wenig Rechtskenntnisse > schriftliche Beraterverträge > in Deutschland gibt es keinen Schriftformzwang
    aber zu Ablehnen wegen dem vorzeitigen Maßnahmebebinn möchte sie diesen einführen.
    etc.
    Bei der KfW waren wir gewollt > wir haben ja auch reichlich Umsatz der Bank gebracht
    Bei dem Bafa sind wir zu Bittsteller herabgestuft wurden. Der Dienstleistungsgedanke hat sich noch nicht herumgesprochen.
    Bei der alten Vor Ort Beratung nach dem KO Prinzip, die kaum ein Energieberater mehr machen wolte hat die Bafa nichts dazugelernt

    Zur Liqudität > bei der KFW konnte man früher die Fördermittel an den Berater abtreten lassen.
    So wurde die Liquidität nicht geschmälert da nur der Eigenanteil gezahlt werden musste.

    Damals wurden wir auch von der KfW gefragt warum in der Regel immer Höchstfördersätze beantragt werden ?
    In der Regel kommen die Unternehmer nicht auf die Energieberater zu sondern die Energieberater auf die Unternehmen.
    Unternehmen kalkulieren mit 40 % Vertriebskosten für ihre Produkte. (Messen,Vorträge,Aussendienst)
    Bei einen Auftrag müssen alle Kosten bei der Rechnungsstellung berücksichtig werden.

    Es ist wie bei der Energieberatung : mit geringinvestiven Maßnahmen > hier Verhaltensänderungen bei der Antragsstellung und Bearbeitung können wir in der Kollegenschaft wieder mehr Akzeptanz für öffentliche Förderprogramme erhalten.

    Auch Energieberater müssen pünktlich ihre Miete zahlen und ihren Verpflichtungen nachkommen.
    Bei öffentlichen Fördermitteln des Bafa ist nicht abzusehen wann und ob ich das Geld für meine bereits erbrachte Leistung als Energieberater bekommen. Es fehlt hier an einem Miteinander.

    Um für die Energiewende den Königsweg der “Energieeffizienz” zu beschreiten benötigen wir sehr viele Kollegen.
    Man sollte Lösungsorientierte Ansätze verfolgen und die Wegbereiter auch angemessen und planbar zu versorgen.

    Die Mitarbeiter des Bafa bekommen jeden Monat pünktlich den Lohn ihrer Arbeit auf ihr Konto überwiesen.
    Wenn ein Ingenierbüro das Ansatzweise auch könnte und ihre Mitarbeiter pünktlich bezahlen könnte wäre das Interesse bei den Kollegen auch größer.

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