Sperrung der Straße von Hormus: Folgen für KMU und wattline-Mitglieder

Kurz und knapp
Seit Sommer 2025 eskaliert der Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran schrittweise, mit direkten Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte.
Die Straße von Hormus ist seit dem 28. Februar 2026 faktisch gesperrt. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels und ein Viertel des globalen LNG-Volumens verlaufen durch dieses Nadelöhr.
KMU müssen mit steigenden Preisen rechnen. Wer Energieverträge nicht im richtigen Moment abschließt, kann Preisschocks nicht verhindern.
wattline hat zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 Tausende Erdgasverträge für seine Mitglieder abgeschlossen, zu einem Zeitpunkt, der sich im Rückblick als strategisch ideal erweist.
Der Energiemarkt ist ein äußerst sensibles System. Er reagiert auf Wetter, Speicherstände, Wirtschaft und auf geopolitische Ereignisse mit einer Intensität, die zeigt wie stark Europa inzwischen von globalen Entwicklungen abhängig ist.
Seit dem Sommer 2025 erleben wir eine Eskalationsspirale im Nahen Osten, deren Folgen nun auch in Deutschland spürbar werden.
Wie reagieren die Energiemärkte auf die Sperrung der Straße von Hormus?
Nach den Ereignissen im Iran starten die Energiemärkte am Morgen des 02. März 2026 mit deutlichen Aufschlägen in den Handel.
Der Frontmonat für Rohöl (Brent) ist mit der Eskalation am Montagmorgen um mehr als 10 % auf den höchsten Stand seit Januar 2025 gestiegen. Auch der TTF-Gas-Frontmonat stieg um 28 %. Auslöser ist eine erhöhte Risikoprämie aufgrund von Sorgen um Auswirkungen auf die Straße von Hormus.
Auch mit einem Anstieg der Strompreise ist in dieser Woche zu rechnen. In der aktuellen Woche sind die Preise deutlich höher in die Woche gestartet und sind dabei den Gaspreisen zu folgen.
Welche Rolle spielt die Straße von Hormus im weltweiten Erdgas- und Erdölhandel?
Kurz gesagt: Die Straße von Hormus ist eine der weltweit wichtigsten Meerengen. Sie fungiert als Nadelöhr für den Transport von Rohöl und Flüssigerdgas (LNG) aus dem Persischen Golf, da sie den einzigen direkten Seeweg aus dieser Region in den offenen Ozean darstellt.
Hier die zentralen Fakten:
Etwa 20 % des weltweiten Erdölhandels
Täglich werden etwa 17 bis über 20 Millionen Barrel Rohöl, Kondensate und Ölprodukte durch die Meerenge transportiert. Das entspricht ungefähr einem Fünftel bis einem Viertel des weltweiten Seehandels mit Erdöl.Knapp 25 % des weltweiten Erdgashandels
Etwa ein Viertel des global gehandelten Flüssigerdgases passiert diese Route, vor allem Lieferungen aus Katar, einem der weltweit wichtigsten LNG-Exporteure.Abhängigkeit vieler asiatischer Länder
Mehr als 80 % der Ölexporte aus dem Persischen Golf gehen nach Asien vor allem nach China, Indien, Japan und Südkorea. Diese Länder sind auf stabile Transportwege durch die Meerenge angewiesen.
Abhängigkeit der Exporteure
Ländern wie dem Irak, Kuwait, Katar und dem Iran stehen praktisch keine nennenswerten alternativen Exportrouten zur Verfügung. Nicht einmal Saudi-Arabien und die VAE können mehr als einen Teil ihrer Produktion über Pipelines am Landweg an der Meerenge vorbeileiten.
Welche Folgen hätte eine dauerhafte Sperrung der Meerenge für Deutschland?
Obwohl Deutschland nicht direkt von Lieferungen aus der Golfregion abhängig ist, hätte eine dauerhafte Sperrung der Straße von Hormus drastische wirtschaftliche Folgen für die Bundesrepublik.
Die physische Versorgung beim Erdgas wird primär über sichere Pipelines aus Norwegen (44 %) und den Niederlanden (24 %) sowie durch massive LNG-Importe aus den USA (59 %) gedeckt. Da auch das Erdöl überwiegend aus anderen Regionen stammt, ist Deutschland zwar nicht direkt von der Meerenge abhängig, dennoch könnten die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl aufgrund der globalen Marktverknappung auf Rekordniveau steigen.
Da Öl und Gas auf einem globalen Markt gehandelt werden, müssten deutsche Abnehmer mit asiatischen Käufern (vor allem China) um die verbleibenden Mengen konkurrieren, was die Preise drastisch nach oben treiben könnte.
Dies könnte die Inflation befeuern und die Kaufkraft der privaten Haushalte schwächen. Für die deutsche Industrie, insbesondere energieintensive Industrien wie die Chemie- oder Stahlbranche, bedeuteten die explodierenden Energiekosten einen herben Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.
Zudem könnten gestörte Lieferketten und steigende Frachtkosten den Außenhandel mit Asien belasten, was für die exportorientierte deutsche Wirtschaft das Risiko einer tiefen Rezession bergen könnte.
Was könnte das für KMU bedeuten?
Kleine und mittlere Unternehmen könnten diese dauerhafte Sperrung besonders hart treffen: Während Großkonzerne Kostenschocks über Rücklagen oder Absicherungsstrategien abfedern können, schlägt jeder Preisanstieg bei Energie und Fracht direkt auf die Marge. Was für einen Konzern eine schwierige Quartalszahl bedeutet, kann für einen Mittelständler existenzbedrohend werden.
Genau deshalb ist eine professionelle und vorausschauende Energiebeschaffungsstrategie, z.B. innerhalb einer Energie-Einkaufsgemeinschaft für KMU keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Gibt es Länder, die von der Sperrung der Straße von Hormus profitieren?
Direkte Gewinner einer solchen Krise sind Akteure, die Energie außerhalb der Golfregion fördern oder alternative Transportwege besitzen.
Dazu zählen beispielsweise andere Ölproduzenten außerhalb des Golfs, wie die USA, Brasilien oder Norwegen. Sie profitieren von den massiv steigenden Weltmarktpreisen für Rohöl, ohne dass ihre eigenen Lieferrouten betroffen sind.
Auch Besitzer von Umgehungspipelines, wie Saudi-Arabien, mit der East-West Pipeline zum Roten Meer und die VAE, mit der Habshan-Fujairah-Pipeline zum Golf von Oman, können teilweise profitieren. Denn sie können zumindest einen Teil ihres Öls an der Straße von Hormus vorbeileiten und so trotz Krise liefern.
wattline hat frühzeitig neue Lieferverträge abgeschlossen
Die vergangenen Monate waren von zunehmender geopolitischer Unsicherheit und steigenden Risikoprämien an den Energiemärkten geprägt. Bereits im Dezember 2025 deutete sich an, dass mehrere internationale Spannungsfelder das Preisniveau im Gasmarkt weiter beeinflussen könnten.
Vor diesem Hintergrund hat wattline im Rahmen der Einkaufsgemeinschaft fix zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 für Tausende Mitglieder langfristige Erdgasverträge abgeschlossen. Die Grundlage bildete keine kurzfristige Spekulation, sondern eine strukturierte Marktanalyse sowie eine klare Abwägung der potenziellen Preisentwicklung:
Das Risiko nach oben war deutlich größer als die marginale Chance nach unten.
Während andere Marktteilnehmer die unsicheren Phasen abwarteten, organisierten wir bereits den Abschluss neuer Lieferverträge. Unser Ziel war es: Risiken frühzeitig zu begrenzen, Unternehmen vor starken Preissprüngen zu schützen und wettbewerbsfähige Preise mit maximaler Planungssicherheit zu sichern.
Und das ist uns mit Stand heute auch gelungen, das bestätigen die jüngsten Marktbewegungen, ausgelöst durch die Sperrung der Straße von Hormus.
Bildquellen: Foto von Daniel Schuh auf Unsplash

