Dunkelflaute: Definition und Bedeutung für KMU
Kurz und knapp
Definition: Eine Dunkelflaute ist eine Wetterlage mit gleichzeitig sehr niedriger Wind- und Solareinspeisung. Sie führt zu Erzeugungsdefiziten, einem verstärkten Einsatz steuerbarer Reservekraftwerke und deutlich höheren Strompreisen am Strommarkt.
Marktwirkung: Sinkt die Einspeisung aus Erneuerbaren, übernehmen Gaskraftwerke die Versorgung. Über das Merit-Order-Prinzip setzen sie das Preisniveau am Day-Ahead- und Intraday-Markt. Preisspitzen entstehen dabei oft schon, bevor die Phase tatsächlich eintritt.
Bedeutung für KMU: Dunkelflauten sind primär ein Beschaffungsrisiko, kein Versorgungsrisiko. Eine vorausschauende Beschaffungsstrategie über den Terminmarkt bietet Unternehmen mehr Planungssicherheit.
Dunkelflauten gehören zu den am intensivsten diskutierten Phänomenen der Energiewende. Sie entscheiden in einem zunehmend wetterabhängigen Strommarkt mit darüber, wie teuer der Strom in einer bestimmten Woche wird. Dieser Ratgeber erklärt, wie eine Dunkelflaute entsteht, welchen Einfluss sie auf den Energiemarkt ausübt und was das für den Energieeinkauf in kleinen und mittleren Unternehmen bedeutet.
Was ist eine Dunkelflaute?
Eine Dunkelflaute ist eine Wetterlage, in der Wind- und Solareinspeisung gleichzeitig deutlich unter ihrem saisonalen Mittel liegen.
Wind- und Solaranlagen produzieren bei einer Dunkelflaute so wenig Strom, dass das Angebot deutlich unter den Strombedarf fällt. Dadurch müssen steuerbare Reservekraftwerke einspringen, allen voran Gaskraftwerke. Die Stromlieferung bleibt bei einer Dunkelflaute zwar gesichert, jedoch steigt der Strompreis am Strommarkt spürbar.
Woher kommt der Begriff Dunkelflaute?
Der Begriff Dunkelflaute ist ein Kofferwort aus „Dunkelheit" und „Windflaute" und beschreibt das Phänomen, bei dem beide Faktoren gleichzeitig auftreten. Im Unterschied zur Hellbrise, die als jüngerer Branchenbegriff erst seit 2023 breiter gebraucht wird, ist die Dunkelflaute in der Energiebranche seit Mitte der 2010er-Jahre verankert.
Wie entsteht eine Dunkelflaute?
Hinter einer Dunkelflaute steht meist eine stabile Hochdruckzone im Winterhalbjahr.
Hochnebel oder dichte Bewölkung dämpfen die Solarproduktion.
Solarstrom liefert in den Wintermonaten ohnehin saisonal weniger Ertrag, da die Sonne flach steht und nur wenige Stunden über dem Horizont bleibt.
Wenn der Wind nun über mehrere Tage zusätzlich ausfällt, bricht der Beitrag der Erneuerbaren im Strommix ein.
Im Normalfall sind Sonne und Wind unkorreliert, was bedeutet: Bewölkte Tage sind häufig windig, sonnige Tage oft windstill. Echte Dunkelflauten entstehen durch den seltenen Zustand, in dem beide Faktoren gleichzeitig schwach bleiben. Statistisch sind solche Konstellationen selten, dennoch treten sie regelmäßig auf, vor allem zwischen Spätherbst und Spätwinter.
Wie häufig treten Dunkelflauten auf?
Die meisten Dunkelflauten treten zwischen Oktober und Februar auf, weil in diesen Monaten Hochdrucklagen mit Hochnebel besonders häufig sind und der Stromverbrauch durch Heizungen und früh einsetzende Beleuchtung gleichzeitig hoch ist. Ein einzelner sehr ruhiger Winter kann mehrere ausgeprägte Phasen produzieren. Im Sommer treten Dunkelflauten dagegen praktisch nicht auf, weil Solar und Wind sich saisonal ergänzen.

Wie lange dauert eine Dunkelflaute normalerweise?
Die typische Dauer einer Dunkelflaute reicht von wenigen Stunden bis zu rund einer Woche. Kurze Phasen umfassen oft nur einen einzigen Abend mit wenig Wind und früher Dämmerung. Ausgeprägte Dunkelflauten können sich über mehrere Tage am Stück erstrecken.
Wichtig: Selbst in langen Dunkelflauten-Phasen tritt der Effekt auf den Strompreis nicht durchgehend auf. Das kritische Zeitfenster konzentriert sich auf die Stunden, in denen ein hoher Stromverbrauch und Restleistungs-Knappheit zusammenfallen, typischerweise im Abendgeschäft.
Wie wirken sich Dunkelflauten auf den Strompreis aus?
Dunkelflauten treiben den Strompreis deutlich nach oben. Diese Preisspitzen können ein Vielfaches des Jahresdurchschnitts erreichen. Der Anstieg der Strompreise durch eine Dunkelflaute zeigt sich häufig im Ergebnis der Day-Ahead-Auktion am Spotmarkt. Für jede Stunde des Folgetages werden Angebot und Nachfrage zusammengeführt.
Bei wenig Wind- und Solarstrom fehlt ein großer Teil günstiger Erzeugung. Dadurch müssen häufiger teurere Kraftwerke, etwa Gas- oder Kohlekraftwerke, den Bedarf decken. Nach dem Merit-Order-Prinzip bestimmt das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Markträumungspreis, wodurch der Strompreis in diesen Stunden steigt.
Mehr zur Wechselwirkung von Dunkelflauten und Strompreisen
Wie sich der Strompreis aufgrund von Dunkelflauten in der Vergangenheit verändert hat, warum Gaskraftwerke das Preisniveau bestimmen und wie der Markt Dunkelflauten vorab einpreist, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber: Strompreise bei Dunkelflaute: Darum steigen sie an
Wie sichert Deutschland die Stromversorgung bei Dunkelflauten?
Die Antwort der Energiewende auf Dunkelflauten besteht aus einer Kombination flexibler Bausteine, die zusammenwirken müssen, darunter:
Backup-Kraftwerke,
Stromspeicher,
Stromaustausch mit anderen europäischen Ländern und
aktives Lastmanagement.
Backup-Kraftwerke
Während einer Dunkelflaute übernehmen aktuell vor allem Gaskraftwerke die Versorgung. Sie sind schnell hoch- und runterfahrbar und können flexibel auf den Strombedarf reagieren. Gaskraftwerke sind allerdings nicht als Dauerläufer gedacht, sondern als Absicherung für seltene Knappheitsstunden. Alle neuen Gaskraftwerke müssen wasserstofffähig (H2-ready) gebaut werden.
Stromspeicher
Speicher nehmen Strom auf, wenn er reichlich vorhanden ist, und geben ihn später wieder ab. Batteriespeicher reagieren schnell und gleichen kurzfristige Schwankungen von 2 bis 4 Stunden und Lastspitzen aus. Als Langzeitspeicher kommen Pumpspeicher zum Einsatz, welche längere Phasen geringer Einspeisung von bis zu 10 Stunden und mehr überbrücken können.
Stromaustausch mit anderen europäischen Ländern
Der deutsche Strommarkt ist Teil des europäischen Verbundnetzes, in dem Stromimporte und -exporte zwischen den Mitgliedstaaten regionale Wetterlagen ausgleichen können. So können norwegische Wasserkraft, schwedische Reserven und französische Kapazitäten in solchen Phasen helfen, die deutsche Last zu decken. Umgekehrt kann auch deutscher Strom in andere EU-Staaten exportiert werden, wenn diese einen Energieengpass erleben.
Aktives Lastmanagement
Aktives Lastmanagement bedeutet, dass der Verbrauch energieintensiver Anlagen gezielt in günstigere Zeiten verschoben wird. Maschinen, Wärmepumpen oder Speicherheizungen werden dann zugeschaltet, wenn viel günstiger Wind- und Solarstrom verfügbar ist, und in Knappheitsstunden zurückgefahren. Dies ist vor allem für große Industriebetriebe sowie für manche Privathaushalte möglich. Kleine und mittlere Betriebe hingegen haben selten die Möglichkeit, ihren Verbrauch so flexibel zu verschieben.
Was bedeutet eine Dunkelflaute für Unternehmen?
Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen ist die Dunkelflaute weniger eine Versorgungs- als eine Beschaffungsfrage. Die Stromlieferung bleibt während dieser Phasen gesichert. Was sich verändert, ist der Beschaffungspreis. Wer einen reinen Spotmarkt-Tarif hat, mit dynamischen Mischverträgen arbeitet oder selbst am Day-Ahead-Markt einkauft, trägt die Preisspitzen direkt mit.
Wer dagegen auf Fixpreisen mit Terminmarkt-Bezug einkauft, hat das Dunkelflauten-Risiko vorab eingepreist und merkt dadurch entstehende Preisspitzen nicht im laufenden Vertrag. Theoretisch könnten Unternehmen die Spotmarkt-Mechanik gezielt nutzen, um sehr günstige Stunden oder sogar negative Strompreise zwischen den Knappheitsphasen zu erhalten. In der Praxis wäre das aber an mehrere Voraussetzungen geknüpft:
ein dynamischer Stromtarif mit Spotmarkt-Bezug,
ein Smart Meter zur Echtzeit-Verbrauchserfassung,
ein nennenswertes Lastverschiebepotenzial und
Monitoring-Tools für die laufende Beobachtung der Preissignale.
Fehlt eine dieser Komponenten, wirken sich die Preisspitzen einer Dunkelflaute ungebremst auf die Energiekosten aus.
Wie können KMU sich gegen Dunkelflauten-Risiken absichern?
Eine vorausschauende Energiebeschaffung über den Terminmarkt bietet für KMU deutlich mehr Sicherheit als ein vollständig dynamischer Tarif. Über den Zusammenschluss zu einer Energie-Einkaufsgemeinschaft erhalten auch kleine und mittlere Unternehmen Zugang zu strukturierten Beschaffungsstrategien auf Großhandelsniveau, mit Konditionen, die einzelnen KMU sonst nicht offenstehen.
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Häufige Fragen
Steigen die Strompreise wegen Dunkelflauten dauerhaft?
Strompreise steigen wegen einer Dunkelflaute nicht dauerhaft, aber phasenweise sehr deutlich. Dunkelflauten verschieben die Day-Ahead-Notierungen vor allem in einzelnen Stunden und Wochen, nicht über das ganze Jahr. Mit dem weiteren Ausbau von Speichern, Lastmanagement und wasserstofffähigen Kraftwerken werden die Auswirkungen auf den Strompreis durch Dunkelflauten auf lange Sicht geringer. Bis dahin bleibt das Phänomen ein realer Preistreiber.
Was ist eine kalte Dunkelflaute?
Eine kalte Dunkelflaute ist eine Dunkelflaute im Winter, bei der gleichzeitig hoher Heizstrombedarf besteht. Sie gilt als kritischste Variante für den Strommarkt, weil Knappheit auf der Erzeugungsseite und Nachfragespitze auf der Verbrauchsseite zusammenfallen. Der Effekt zeigt sich vor allem in den Abendstunden, wenn Heizung, Beleuchtung und industrieller Verbrauch parallel laufen und Wind- und Solareinspeisung weiter zurückgehen. In solchen Phasen erreichen Day-Ahead-Notierungen regelmäßig die höchsten Werte des Jahres.
Was ist das Gegenteil einer Dunkelflaute?
Das Gegenteil der Dunkelflaute ist die Hellbrise. Wind- und Solareinspeisung sind dabei gleichzeitig überdurchschnittlich hoch. Am Strommarkt äußert sich das in entgegengesetzter Richtung, mit niedrigen oder negativen Spotmarkt-Preisen, da das Stromangebot die Nachfrage übersteigt.
Kann es durch eine Dunkelflaute zu einem Blackout kommen?
Nein, Dunkelflauten führen nicht automatisch zu Stromausfällen. Der deutsche Strommarkt ist Teil des europäischen Verbundnetzes, und Reservekraftwerke, Stromimporte aus anderen Mitgliedstaaten sowie Lastmanagement gleichen die fehlende Wind- und Solareinspeisung aus. Ein Blackout kann beispielsweise durch Netzfehler entstehen, nicht aber durch Wetterlagen wie Dunkelflauten oder Hellbrisen.
Brauchen wir Gaskraftwerke vor allem wegen der Dunkelflaute?
Nein. Gaskraftwerke übernehmen die Rolle des steuerbaren Backups, immer wenn die Einspeisung aus Erneuerbaren niedrig ist. Dunkelflauten sind dabei nur ein möglicher Auslöser unter mehreren. Auf lange Sicht sollen die Anlagen auf grünen Wasserstoff umgestellt werden, was das CO2-Profil deutlich verbessern soll.
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